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Living Forest

Der schreckliche Onibi will den mystischen Wald vernichten. Wir als Naturgeister werden das verhindern. Und weil wir vermutlich auch ein bisschen eitel und selbstsüchtig sind, will in „Living Forest“ jeder der beste Waldretter sein. Statt zu kooperieren, suchen wir unseren persönlichen Vorteil. Naturgeister sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Mechanisch ist „Living Forest“, das Kennerspiel des Jahres 2022, eine Mischung aus Deckbau und „Push your luck“. Bedeutet? Wir verbessern unser Kartendeck und fordern dann immer wieder unser Glück heraus. Letzteres ist – zum Glück – ein gutes Stück berechenbar. Es herauszufordern, ist auch eine Sache des Timings. Denn es ist für das Planen meiner Aktionen nicht ganz unerheblich, an wievielter Stelle ich in einer Runde dran bin. Mehr noch: Timing ist der Schlüssel zum Sieg. Eine Erkenntnis, die mit zunehmender Spielerfahrung reift und uns die Interaktion in „Living Forest“ vor Augen führt.

Symbole auf Tierkarten

Bei der Rettung des Waldes helfen uns die Tiere. Je mehr Elemente wie Wasser oder Luft sie uns bringen, desto stärker können wir zugehörige Aktionen wie Feuerlöschen oder Kartendeck verbessern ausführen. Dazu ziehen wir eine beliebige Zahl unserer Tierkarten, decken sie auf und legen sie in eine Reihe. Für die Aktionen summieren wir dann die auf den Karten angezeigten Werte der entsprechenden Symbole. Die Sonnen geben beispielsweise an, für welchen Wert ich neue Tierkarten aus der Auslage erwerben darf. Damit die Aktionsstärke nicht ins Unermessliche steigt, ist die Zahl beim Kartenziehen dann jedoch nicht ganz so beliebig.

Jetzt kommt der „Push your luck“-Teil: Manche Tiere sind Einzelgänger. Decken wir drei von ihnen auf, endet das Ziehen und wir dürfen – statt wie üblich zwei – nur eine Aktion in dieser Runde ausführen. Zu viel riskiert? Vielleicht. Aber es braucht eben auch Mut, um auf ein gewünschtes Mindestmaß an Elementen zu kommen. Manchmal kann es aber auch schlau sein, bis zum dritten Einzelgänger zu ziehen: Um für den folgenden Zug weniger dieser Karten im Nachziehstapel zu haben. Oder um ein richtig starke Aktion machen zu dürfen statt zwei mittelmäßige. Ein taktischer Kniff, der in ähnlicher Form schon bei „Die Quacksalber von Quedlinburg“ eine Rolle spielte.

Die drei Wege zum Sieg bei Living Forest

Zum Sieg über Onibi führen schließlich drei Wege – und immer steht die Zahl Zwölf im Fokus. Erfüllt ein Spieler eine von drei Siegbedingungen, endet die Partie. 

Zwölf unterschiedliche Bäume: Wir pflanzen auf unserem Tableau Bäume. Je mehr Pflanzsymbole wir aufdecken, desto größer ist die Auswahl verfügbarer Bäume. Je wertvoller der Baum, desto besser der Bonus an Elementen, den er fortwährend bietet und damit unsere Aktionen verstärkt. Wer bestimmte Reihen und Spalten vollständig mit Baumplättchen belegt, profitiert ebenfalls dauerhaft. Und nicht zu vergessen: Wer mit seinen Pflanzungen entlegene Ecken erreicht, darf zusätzliche Aktion ausführen.

Living Forest
Living Forest

Zwölf Feuer löschen: Je mehr Tierkarten in einer Runde aus der Auslage erworben werden, desto mehr Brände sind in der folgenden Runde zu löschen. Dabei helfen Wassersymbole. Wer zu spät dran ist, hat vielleicht nichts mehr zu löschen. Wer zu wenig Wasser hat, muss gegebenenfalls sein Deck mit nervigen Feuerwaranen verschlimmbessern. Mit der Verzahnung von Tierkarten nehmen und auftretenden Bränden gibt der Autor dem Spiel taktische Tiefe. Es liegt an den Naturgeistern selbst, ob sie viel zu löschen haben oder nicht. 

Zwölf Blumen aufdecken: Die heiligen Blumen sind Symbole auf Karten, Tableau und Baumplättchen. Sie lösen keine Aktion aus, können aber den Sieg bringen. Und das manchmal schneller, als die Konkurrenz so erwartet.

Und welcher Weg ist nun der Königsweg? Den gibt es nicht. Denn es kommt bei „Living Forest“ eben auch immer darauf an, was die anderen Naturgeister so treiben. Kauft beispielsweise niemand Karten, brennt es nicht und ich kann mit meinem Wasser nichts anfangen. Hilfreich ist es indes, gesellige Tiere in sein Team aufzunehmen, die den Effekt eines Einzelgängers aufheben. Wer dann noch magische Fragmente in seinem Vorrat hat, legt schon mal sein komplettes Deck aus.

Am Ende verliert bei Living Forest immer derselbe

Ich persönlich schätze auch sehr die Aktion, mit meiner Figur auf einem separaten Steinkreis zu laufen. So können manche Aktionen doppelt in einer Runde ausgeführt werden. Und überhole ich jemanden, stibitze ich von dieser Person einen Bonus, der mich eine der Siegbedingungen eher erreichen lässt. Auch hier: Timing ist gefragt in einem Spiel, das variantenreicher ist, als es zunächst erscheint. Nur einer ist am Ende immer der Verlierer: Onibi.

Living Forest

Meine Einschätzung: ★★★★☆ (stark)

Veröffentlicht in Kennerspiele ★★★★☆ (stark)

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