Top-Listen wecken Neugier. Etwa für Brettspiele. Wie bewertet jemand die Titel und gewichtet sie untereinander? Das Ergebnis kann ich mit meinen eigenen Erfahrungen abgleichen. Ein Prinzip, das sich das Partyspiel Tic Tac Top zunutze macht und auf viele Kategorien ausdehnt. Das macht mir Spaß. Es könnte aber noch viel mehr Spaß bringen, wenn die Handhabung nicht so umständlich wäre.

Was ist zu tun? Das zeige ich am besten an einem Beispiel auf. Einmal pro Partie habe ich die Spielleitung inne. Dann muss ich aus zwölf vorgegebenen Antworten meine Top 7 für die vorgegebene Kategorie bilden – in diesem Fall: die häufigsten Themen für Brettspiele. Ich setze „Natur“ an die erste Position, gefolgt von „Stadt“, „Weltall“, „Tiere“, „Altertum“, „Reisen“ und „Magie“. Unberücksichtigt lasse ich „Abstrakt“, „Piraten“, „Zombies“, „Dinosaurier“ und „Eisenbahn“.
Was beim Namen Tic Tac Top naheliegt
Und während ich geheim die Liste auf meinen Notizbogen schreibe, tragen alle anderen neun der zwölf Begriffe in ein 3×3-Raster ein. Ziel ist es, Begriffe auszuwählen, die auf meiner Liste auftauchen. Sind alle fertig, lese ich meine Top 7 von Platz eins an vor. Alle anderen sammeln Punkte für jede Reihe (horizontal, vertikal, diagonal), die sie komplett mit Übereinstimmungen markieren können. Das kennen wir von Bingo oder – davon leitet sich der Titel ab – Tic Tac Toe.

Oder? Na, so schnell geht es dann doch nicht immer. „Was, du hast Homer Simpson nicht in deinen Top 7 der berühmtesten Zeichentrickserien?“, muss ich mich erklären. Ich muss begründen, warum ich Kaffee als wohlriechender empfinde als Lavendel. Und stelle selbst fassungslos fest, dass meine Mitspielerin versäumt hat, Ananas zu den sieben beliebtesten Pizzabelegen zu erklären. Ihr seht: Tic Tac Top lädt regelrecht dazu ein, über die Listen zu diskutieren. Zu fabulieren. Sich zu echauffieren.
Weshalb Tic Tac Top auch etwas über mich selbst preisgibt
Schön daran ist, dass es kein richtig oder falsch gibt. Die Spielleitung legt ihre persönlich Auswahl fest. Es gibt keine Maßstäbe, welche die Reihenfolgen objektiv vorgeben könnten. Es geht nur darum, eine gemeinsame Wellenlänge zu finden. Wenngleich die persönlichen Toplisten durchaus etwas über meine Vorlieben und Erfahrungen preisgeben können. Umso lebhafter verlaufen die Auswertungen. Wobei bei einigen Fragen eine Egal-Stimmung aufkommt. Was schreibe ich auf Rang vier, fünf, sechs und sieben? Achselzucken.

Was mich jedoch massiv stört, ist die langwierige Prozedur, die Raster auszufüllen. Es gibt nur eine Karte, auf welcher die zwölf möglichen Antworten stehen – jedoch nur in einer Ausrichtung. In großen Runden ist es äußerst mühsam für alle in der Runde, sich einen schnellen Überblick zu verschaffen. Über Kopf lesen? Möglich, ist hier aber extrem nervig. Was passiert? Die Wartezeit nimmt zu. Um diese zu verkürzen, mache ich in der Regel ein Foto von der Karte und lege das Handy auf den Tisch.
Warum nicht einfach Zahlen?
Unverständlicherweise gibt die Anleitung zudem vor, die Antworten auszuschreiben. Dabei sind doch alle von eins bis zwölf nummeriert. Warum also nicht einfach die Zahlen eintragen? Wir machen das zumindest so. Das beschleunigt diese Phase deutlich.

Die Hausregeln sorgen dafür, dass ich Tic Tac Top gerne als einsteigerfreundliches Kommunikationsspiel auf den Tisch bringe. Als Kritiker bleibt mit jedoch nur das Urteil: Potenzial nicht ausgenutzt. Und zwar bei Weitem nicht.
Tic Tac Top | Strohmann Games, Explor8 | Simona Greco und Marco Rava | 3 bis 7 Personen | ab 8 Jahren | 20 Minuten | Spielanleitung | Meine Bewertung: ★☆☆☆☆ (mäßig)











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