Zahlen sortieren – das klingt alles andere als innovativ. Ich kenne das beispielsweise von Qwinto oder der Welcome-to-Reihe. Braucht es da noch einen weiteren Titel? Ja! Denn Morty Sorty Magic Shop (Schmidt Spiele) kombiniert die Aufgabe mit zusätzlichen Anforderungen, ohne kompliziert oder gar komplex zu werden. Vielmehr wandelt es das Roll-and-Write der genannten Titel in ein Grundprinzip mit haptischem Element um, sodass auch Farben eine (noch) variablere Rolle einnehmen. Das Ergebnis ist ein Familienspiel, das fast schon als klassisch bezeichnet werden kann. Und als gut.

Die thematische Einbettung – wir lernen beim berühmten Morty Sorty, Gläser mit magischen Zutaten geordnet in Regale zu stellen – rückt ob der Mechanik in den Hintergrund. Zumindest sorgt die Begleitgeschichte für herzallerliebste Illustrationen. Die von David Cochard gezeichneten Frösche, Spinnen, Mäuse und Schnecken auf den persönlichen Regaltableaus sind schon einen intensiven Blick wert. Doch der Fokus sollte den Zahlen und Farben der Gläser gelten.

Die Kernaufgabe ist schnell erfasst: Jeder muss in seinen drei Regalreihen jeweils bis zu acht Gläser platzieren, deren Nummern von links nach rechts stets größer werden. Die Zahlenfolge darf dabei durchaus Lücken haben. Bin ich dran, wähle ich eines der noch übrigen Gläser aus der zentralen Auslage und lege es regelgerecht auf einen beliebigen noch freien Platz. Lasse ich Lücken, sollte ich darauf achten, dass diese auch noch gefüllt werden können. Das erfordert indes keine große Planungsleistung. Wo eine solche gefordert ist, dazu komme ich gleich.
Die Deckelfarben bei Morty Sorty Magic Shop
Wichtig zu wissen vorab: Nicht jedes Glas darf bei Morty Sorty Magic Shop auf jedes Regal gestellt werden. Gläser mit schwarzem Deckel dürfen nur in die untere Reihe. Goldene Deckel geben mir die freie Auswahl, Gläsern mit silbernem Deckel ist die obere Reihe verwehrt. Folglich erhalte ich mehr Bonuspunkte für die Vervollständigung der oberen Reihe als für die darunter liegenden. Doch nicht nur dafür gibt es Punkte. Im Gegenteil: Morty zeigt sich außerordentlich spendabel, was Belohnungen angeht.

Allein für jede der vier Gläserfarben gibt es eine eigene Wertung. Im Grundspiel werden Punkte schlicht an die Zahl der Gläser in der jeweiligen Farbe geknüpft. Bei den Varianten wird es vielseitiger – und auch ein kleines bisschen komplizierter. Aber es sind gerade diese Abwechslungsmöglichkeiten, durch die Morty Sorty Magic Shop immer wieder neue Reize setzt. Zumal wir uns auch noch Abzeichen verdienen können, wenn wir bestimmte Aufgaben erfüllen. Dabei stehen wir im Wettbewerb mit allen anderen. Denn wer früher die Bedingungen für ein Abzeichen erfüllt, erhält eine bessere Belohnung.
Blaue Deckel mit goldenen Sternen
Damit noch nicht genug. Es werden Punkte ausgeschüttet für das Erfüllen von Vorgaben, bestimmte Plättchen nach Zahl (A-Seite) oder Farbe (B-Seite) auf meinen Regalen zu platzieren. Trotz der Vielzahl an Belohnungen wird Morty Sorty Magic Shop nicht unübersichtlich. Die Aufgaben fügen sich gut ein. Aber klar: All das will geplant werden. Der wichtigste Aspekt ist jedoch ein anderer.

Komplettiere ich eine Spalte mit drei Flaschen unterschiedlicher Farbe, erhalte ich eine Bonus-Flasche. Je mehr Kettenzüge mir gelingen, desto voller wird das Regal, desto mehr Punkte sichere ich mir. Bonus-Flaschen sind also toll. Zumal sie in jede Reihe gelegt werden dürfen. Wer weniger Kettenzüge als andere hinkriegt, behält am Ende mehr leere Plätze in den Regalen. Und das will man ja nicht. Jedoch ist die Auswahl an Bonus-Flaschen begrenzt. Es stehen nur die Ziffern parat, die nach und nach beim Auffüllen der Auslage zufällig aus dem Beutel herausgezogen werden.
Hilfreiche Katzen im Morty Sorty Magic Shop
Um nicht nur dem Glück bei den zur Verfügung stehenden Farben und Zahlen ausgeliefert zu sein, gibt es Unterstützung von Katzen. Das sind kleine Holzfiguren. Gebe ich eine ab, darf ich zwei gleiche Zahlen nebeneinander ins Regal stellen. Oder ich darf vorm Platzieren eine Flasche umdrehen. Die Zahlen sind auf beiden Seiten stets identisch, die Farben aber nicht. Gelb und Grün bilden ein Paar wie auch Blau und Violett. Diese klare Struktur erübrigt das Nachsehen. Zu Beginn starte ich mit zwei Katzen, weitere gibt es beim Erfüllen von Aufgaben. Oder beim Passen.

Passen? Das kann nötig werden, wenn ich keine der ausliegenden Flaschen mehr regelgerecht einsortieren kann. Oft ist das ein Zeichen schlechter Planung. Manchmal liegt dem aber auch Pech zugrunde, weil ich als Letzter in der Runde eben weniger Auswahl habe. Wenn es gut läuft, habe ich aber stets im Blick, Freiräume für kleine und große Zahlen zu lassen, insbesondere auf dem unteren Regalboden. Denn wenn es nur noch schwarze Deckel im Pool gibt, verringern sich die Optionen fürs Platzieren. Alles in allem eine schöne Herausforderung.
Wie ich bei Morty Sorty Magic Shop vorgehe
Was hindert mich nun daran, Morty Sorty Magic Shop als „stark“ zu bewerten? Weil ich trotz des Abwechslungsreichtums bei der Punktwertung wenig in meiner grundlegenden taktischen Ausrichtung ändere. Ich strebe in jeder Partie danach, mindestens eine Farbe überproportional oft zu wählen, weil es dann überproportional viele Punkte gibt. Und ich achte darauf, viele Kettenzüge machen zu können, um möglichst wenige Lücken zu haben, wenn der Vorrat an Flaschen aufgebraucht ist und das Spiel endet. Wenn das gelingt, erweist sich Sortieren als überaus befriedigende Aufgabe.
Morty Sorty Magic Shop | Schmidt Spiele | Markus Slawitscheck | 2 bis 4 Personen | ab 8 Jahren | 30 Minuten | Spielanleitung | Meine Einschätzung: ★★★ (gut)











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