„Ist das wie Siedler?“ Eine Frage, die wohl jeder kennt, der anderen neue Spiele vorstellt. Und in diesem Fall gilt: Ja, ein bisschen. Denn „Keksekästchen“ von Ralf zur Linde nimmt nicht nur Anleihen bei „Käsekästchen“, sondern auch bei „Catan“. Die Kombination ergibt ein Roll-and-Write-Spiel, das auf dem zweiten Blick viel taktischer anzugehen ist, als es zunächst wegen der an ein Kinderspiel erinnernde Illustration vermuten lässt.
Die „Catan“-Komponente bei „Keksekästchen“
Die „Catan“-Komponente sind zwei Würfel, deren Augensumme einen Ertrag auslöst. Während es beim Klassiker beispielsweise Holz, Getreide oder Erz als Rohstoffe gibt, bleibt die Belohnung bei „Keksekästchen“ schlicht. Es sind Striche. Linien. Ich darf mit einem schwarzen Stift die Kante eines Kästchens auf meinem persönlichen Spielplan nachzeichnen. Und zwar um das Kästchen, in dem der entsprechende Zahlenchip liegt.

Im Gegensatz zu „Catan“ bleiben die Zahlenchips nicht fix an einem Ort liegen. Wie Autor Ralf zur Linde erklärt, habe ihn das bei „Siedler“ immer gestört. Daraus sei der Ansatz entstanden, die Zahlenplättchen beweglich zu machen. Pro Zug darf ich ein Plättchen versetzen. Das mache ich, um bestimmte Felder alsbald vollständig zu umrahmen. Und damit wären wir beim zweiten Klassiker, der Eingang in diese Entwicklung gefunden hat: „Käsekästchen“.

Auch bei „Keksekästchen“ kreuzen wir Felder an, wenn sie vollständig umschlossen sind. Hier haben die Kästchen jedoch Motive: Bunte Keksformen auf farbigen Hintergründen. Habe ich eine bestimmte Zahl gleicher Motive markiert, sammele ich Punkte. Je früher mir eine Kombination im Vergleich mit den Mitspielern gelingt, desto mehr Punkte erhalte ich. Wer zuerst eine für die Spieleranzahl benötigte Punktzahl erreicht, gewinnt.

Und wie stellt sich nun die taktische Komponente dar? Zunächst natürlich darin, seine Zahlenplättchen stets so zu organisieren und zu platzieren, dass schnell lukrative Aufgaben erfüllt werden. Dabei spielen die Wahrscheinlichkeiten der einzelnen Würfelergebnisse eine Rolle. Laut Statistik fällt die „7“ am häufigsten, bringt aber auch nur eine Linie als Ertrag. Die „12“ indes fällt deutlich seltener, bringt mir aber vier Striche. Mit einem Sechserpasch ist ein Kästchen direkt komplett umrahmt.
Das Zahlenchipmanagement bei „Keksekästchen“
Kann ich, weil schon nachgezeichnet, weniger Linien eintragen als mir der Würfelwurf erlaubt, notiere ich das auf meinem Plan. Für je drei solcher Vorkommnisse darf ich einen beliebige Strich malen. Hört sich stark an? Nein, das gleicht einem Trostpflaster. Denn für eine solche Linie habe ich vorher ja mindestens drei nicht machen können. Sollte man vermeiden. Stichwort Zahlenchipmanagement. Eine „11“, die drei Striche erlaubt, auf einem Feld liegen zu haben, das nur noch eine Linie benötigt, bedeutet in der Regel also einen Nachteil.

Zu meiner Schulzeit gehörte es dazu, eine Gebiet auf Karopapier zu bestimmen, um darin anschließend abwechselnd einen Strich mit genau einer Kantenlänge zu ziehen. Umschlossene Quadrate wurden mit dem eigenen Symbol markiert. Danach war man direkt noch einmal dran. Mit Glück folgte eine Serie von fertigen Quadraten. Quasi die Mutter der Kettenzüge.
Wie Mathematik die Chancen bei „Keksekästchen“ verbessert
Mit etwas Mathematik lässt sich auch erschließen, von welchem Zahenchip ich mich trennen sollte, sobald ich eine Aufgabe erfüllt habe. In einem solchen Fall nämlich wird ein Chip genutzt, um auf der Punktetafel meinen Ertrag anzuzeigen. Er steht mir nicht mehr auf meinem Raster zur Verfügung. Fällt künftig diese Zahl, gehe ich beim Zeichnen leer aus. Personen, die schnell Kombinationen abschließen, werden so etwas ausgebremst, was die Partien spannend hält.
Auch wenn die „2“ und „12“ jeweils vier Striche möglich machen, gehören diese Plättchen zu der Gruppe von Zahlen, von denen ich mich zuerst trennen sollte. Das Produkt aus Wahrscheinlichkeit und Ertrag ist am geringsten. Und das mag überraschen: Es ist genauso niedrig wie bei der „5“ und der „9“, die beide nur eine Kante bringen. Die „3“, „4“, „10“ und die „11“ indes haben unter diesen Gesichtspunkten denselben Wert wie eine „7“.

In Anbetracht dieser taktischen Möglichkeiten entwickelt sich durchaus ein unterhaltsames Wettrennen, um die nötige Punktzahl zu erreichen. Der Zufall beim Würfelwurf ermöglicht auch Aufholjagden. Das Zahlenplättchenmanagement erinnert dabei an die Aufgabe, als Chef seine Mitarbeiter im Unternehmen möglichst effizient einzusetzen. Man kann Spaß daran haben, Plättchen und Wahrscheinlichkeiten stets im Blick zu haben. Man muss es aber nicht. „Keksekästchen“ funktioniert auch einfach so.
Und natürlich ist „Keksekästchen“ am Ende nicht mit „Catan“ vergleichbar, nur weil es eine Komponente daraus enthält. Vielmehr ist die Verwandtschaft zu „Käsekästchen“ das hervorstechende Merkmal. Die Kombination beider Spiele hat in diesem Fall aber einen eigenständigen Titel erbracht, der mich gut unterhält.
Keksekästchen | Ravensburger | Ralf zur Linde | 2 bis 5 Personen | ab 8 Jahren | 25 Minuten | Spielanleitung | Meine Bewertung: ★★★☆☆ (gut)









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