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Messe Spiel in Essen: Erinnerungen an meinen ersten Besuch

Spiele faszinieren mich schon so lange ich denken kann. Aufgewachsen mit den typischen Klassikern und den ersten Spielen des Jahres, hat sich mir jedoch erst ab Ende der Achtziger und Anfang der Neunzigerjahre allmählich die Bandbreite des Mediums offenbart. Während der Abizeit und des Studiums gehörte Spiel fest zur Freizeitgestaltung. Ich stöberte regelmäßig durch die Läden auf Suche nach Neuheiten. Im Spielwarengeschäft Twele in Nienburg an der Weser und bei Toys’r’Us in Oldenburg beispielsweise. Catan zündete dann den Booster. Neue Titelträger mit dem Pöppel für den Preis Spiel des Jahres tauchten für mich weiterhin aber eher plötzlich in den Regalen auf. Dass es gar in Essen eine Messe für Brettspiele gibt, lag gänzlich außerhalb meiner Wahrnehmung. Das änderte sich erst im Jahr 2005.

So hat sich die Messe Spiel im Jahr 2025 während der Neuheitenschau präsentiert.

Im Frühjahr des Jahres war ich als Redakteur zur Neuen Osnabrücker Zeitung gewechselt. Hatte ich vorher als Journalist nahezu ausschließlich mit lokalem Sport zu tun, schrieb ich nun unter anderem für die Ratgeberseite „Gut zu wissen“. Ich stellte fest, dass Verlage der Redaktion Presseinformationen zur Verfügung stellen. Dass sie Rezensionsexemplare versenden. Dass es die Möglichkeit gibt, Texte über Spiele zu verfassen. Bingo! Und plötzlich las ich von „Messe“ und „Essen“. Mit der Redaktionsleitung sprach ich ab, dass ich dort einmal hinfahre. Und musste ob meiner Naivität Lehrgeld bezahlen.

Als 350 Neuheiten schon als viel galten

Ich war im Glauben, die richtige Messe beginnt bereits mit dem Pressetag am Mittwoch. Irrtum. Erst Pressekonferenz mit Begrüßung durch Dominique Metzler vom veranstaltenden Merz-Verlag, Zahlen der Fachgruppe Spiel (heute Spieleverlage e.V.) und gesponserten Neuheitenvorstellungen. Bei Süppchen und Schnittchen. Danach Neuheitenschau. In zwei Räumen auf der ersten Etage eines Messegebäudes präsentierten die Verlage ihre Neuheiten. Ich erinnere mich an enge Gänge und Gewusel. Damals dachte ich, dass 350 Neuheiten viel sind. Das Portal Reich der Spiel schrieb in seinem Messebericht: „Anzumerken ist, dass die Menge der Neuerscheinungen inzwischen so groß geworden ist, dass sowohl Kritiker als auch potenzielle Käufer kaum noch den Überblick behalten können.“ Die ein oder andere Perle drohe unterzugehen. Heute ist die Zahl der Neuheiten längst vierstellig.

Die Zahlen der Messe Spiel ’25.

Die Neuheitenschau war nach zwei Stunden vorbei, die Hallen blieben an diesem Tag geschlossen. Ich trottete enttäuscht zurück zum Auto und fuhr nach Hause. Mit im Gepäck hatte ich immerhin ein Exemplar von Louis XIV. Das Spiel von Rüdiger Dorn war mit dem Deutschen Spielepreis ausgezeichnet worden. Am Stand von alea hatte ich Redakteur Stefan Brück eher schüchtern gefragt, ob ich als Redakteur der NOZ ein Rezensionsexemplar erhalten könne. Er schaute mich skeptisch an; er kannte mich ja nicht – ich war neu in der Szene. Händigte mir aber dennoch eines aus. Irgendwann in den Jahren danach habe ich das Spiel verschenkt, weil ich Platz in den Regalen brauchte. Heute bedauere ich das.

Als Sudoku auch bei der Messe Spiel Trend war

Ich weiß noch, dass ich im Nachgang bei uns in der Zeitung über den Sudoku-Trend berichtete. Mehrere Verlage hatten zu der damals neuartigen Rätselform ein Spiel herausgebracht. Als Mathematiker fand ich das Thema großartig. Doch auch von diesen Spielen habe ich heute keines mehr.

Mittlerweile hat die Messe Spiel auch ein Maskottchen: Meeps.

Was geblieben ist, sind die Erinnerungen an Essen 2005. An meinen holprigen Start mit der Messe Spiel. An den Beginn einer Tradition: Die Messe hat seitdem einen festen Platz in meinem Kalender. Mit ihr verknüpfen sich zahlreiche Erlebnisse. 2006 stöberte ich erstmals durch die Messehallen, die damals noch einen anderen Zuschnitt hatten als heute. 2009 erhielt ich am Abend der feierlichen Messeeröffnung die Nachricht, dass mich die Jury Spiel des Jahres als Mitglied aufgenommen hat. 2013 stand ich in den Hallen vor der Kamera, um den Image-Film „1 Jahr mit der Jury Spiel des Jahres“ zu drehen. Ende der Zehnerjahre folgte der schon angedeutete umfassende Neubau des Messegeländes. Gerade rechtzeitig genug, um der Expansion der Messe genügend Platz zu bieten. Noch zumindest.

Bei Essen-Rüttenscheid rechts raus

Bis auf zwei Jahre war ich seit 2005 immer dabei. 2007 hatte freilich die Geburt meines Sohnes Priorität. Und 2020 verhinderte die Corona-Pandemie die Messe Spiel an sich. Nun fahre ich also bald zum 20. Mal nach Essen. Vom 21. Oktober (Pressetag) bis zum 25. Oktober 2026. Und spätestens dann, wenn an der A52 das Schild der Ausfahrt Rüttenscheid auftaucht, fühle ich mich wieder so, als würde ich nach Hause kommen.

Veröffentlicht in Kolumnen

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