Es ist die klassische Szene aus Krimis und Spionagefilmen: Sekunden vor der Explosion schneidet der Held ein Kabel durch und entschärft damit die Bombe. Und genau das machen wir auch bei “Bomb Busters”, dem Spiel des Jahres 2025 von Autor Hisashi Hayashi. Jedoch: Es gibt sehr viele Kabel. Ja, man kann schon von einem Kabeldurcheinander sprechen. Nur wenn wir gemeinsam Ordnung schaffen und von den ungefährlichen blauen Kabeln eines nach dem anderen durchtrennen, erkennen wir irgendwann, welches Kabel rot ist, welches für die sofortige Detonation sorgen würde, welches wir isolieren und damit letztlich sichern müssen.
Deduktionsaufgabe ohne Alphaspieler
Auf dem Weg dorthin braucht es einen wachen Verstand. Und zwar bei allen. Im Gegensatz zu so manch anderem kooperativen Spiel gibt es bei dieser Deduktionsaufgabe keinen Alphaspieler. Niemanden, der den anderen sagt, was zu tun ist. Die Informationen über die Kabel sind so verteilt, dass niemand den kompletten Überblick hat. Der Weg zum Erfolg bedingt logische Folgerungen und eine nonverbale Kommunikation. Ein Fest für alle, die gerne mit Scharfsinn Rätsel lösen.

Die Kabel werden durch kleine Pappplättchen simuliert. Die blauen haben Zahlen von 1 bis 12. Jede Zahl gibt es viermal. Sie werden – inklusive des gefährlichen Kabels – verdeckt gemischt und gleichmäßig an alle verteilt. Auf einem Plättchenhalter, pardon: Kabelhalter, sortiert jeder seine Zahlen der Größe nach. So, dass die Mitspieler nur die Rückseite sehen können. Was wir lediglich über die Verteilung bei den anderen wissen: Die kleinen Zahlen stehen links, die großen rechts. Und irgendjemand hat das rote Kabel mit einer Dezimalzahl. 1,5 etwa. Oder 7,5. Oder 11,5. Passend eingereiht.
Wie wie „Bomb Busters“ gewinnen
Ehe das rote Kabel nun jedoch entschärft werden kann, müssen alle anderen Kabel durchgeschnitten werden. Bedeutet: Ich muss Pärchen finden. Zwei gleiche Zahlen. Ein Plättchen bei mir, eins bei einem Mitspieler. Ich muss exakt auf das Plättchen zeigen, das ich als Gegenstück zu meiner genannten Zahl ansehe. Mündliche Hinweise der Mitspieler sind untersagt. Was mir bei „Bomb Busters“ hilft: Jede Person darf zu Beginn genau ein Kabel mit der korrekten Zahl markieren. Und ich habe Werkzeug zur Verfügung, das ich einmalig einsetzen darf. Ein Werkzeug, das mich auf zwei Kabel zeigen lässt, von denen nur eines richtig sein muss. Andere können im Laufe einer Partie freigeschaltet werden.
Diese Hilfen sorgen dafür, dass die Aufgabenerfüllung an Schwung aufnimmt und nicht nur zu blindem Raten nötigt. Als nützlich erweist sich auch die Regel, nur auf Zahlen tippen zu dürfen, die ich selbst habe. Allein das gibt allen anderen den Hinweis, dass ich ja mindestens ein Kabel dieser Zahl haben muss. Tippe ich dennoch auf ein falsches Kabel, kennzeichnet der Eigentümer dieses Plättchen mit der korrekten Zahl. Solche Fehler dürfen wir uns jedoch nicht allzu oft erlauben. Ist es einer zu viel, dann explodiert die Bombe.

Ist ein Pärchen gefunden, legen wir die Plättchen offen so vor die Kabelhalter, dass deren ursprüngliche Position ersichtlich bleibt. Sie bleiben als dauerhafte Hinweise erhalten. Die verbliebenen Plättchen auf dem Kabelhalter gleichen damit immer stärker einer Zahnreihe mit Lücken. Wobei nicht selten der Fall eintritt, sich von außen nach innen zu arbeiten. Einsen und Zwölfen müssen ja an den Rändern stehen, wenn ich sie denn habe.
Aber bitte bei „Bomb Busters“ nicht der Idee verfallen, die Zahlen könnten gleichverteilt sein. Mitunter kommt es vor, dass ich alle vier Plättchen einer Nummer habe. Dann darf ich sie gesammelt vor den Halter legen. Denn ein Pärchen mit einem Plättchen einer anderen Person ließe sich ja nicht finden. Analog darf ich vorgehen, wenn ein Pärchen schon gefunden wurde und ich die beiden restlichen habe. Einfache Züge. Mitunter braucht es eben auch etwas Glück.
66 Mission bei „Bomb Busters“
Allein schon wegen der zufälligen Verteilung der Kabel läuft keine Partie „Bomb Busters“ so ab wie eine andere. Hinzukommt, dass die bisherige Erklärung längst nicht alle Finessen des Spiels abbildet. Es gibt beispielsweise noch gelbe Kabel, die alle eine Eins hinter dem Komma haben. Etwa 3,1 oder 9,1. Von diesen gibt es keine identischen, sondern es müssen schlichtweg gelbe Paare gefunden werden. Zudem beinhaltet die Schachtel 66 Missionen. In verschlossenen Packungen sind noch zusätzliches Material und ergänzende Regeln verborgen. Darin ist so viel Stoff, dass einem gar nicht langweilig werden kann mit dem Spiel. Großartig!

Ferner macht es in jeder Besetzung Spaß. Zu zweit agiert jeder mit zwei Kabelhaltern. Ich habe zwar die doppelte Menge an Information, muss aber beide Kabelhaltern getrennt von einander betrachten, also auch jeweils getrennt voneinander die Plättchen sortieren. Da für diese Konstellation die jeweilige Aufgabe angepasst wird, wird es auch nicht zu einfach. Wobei so manche Plättchenverteilung schon schnell den Weg ebnen kann. Zu fünft ist es dann eben etwas kniffliger. Deshalb dürfen wir uns als Quintett mehr Fehler erlauben. So skaliert „Bomb Busters“ eben entsprechend der Zahl der Mitspieler.
Als gelungen darf auch der Einstieg bezeichnet werden. Um das Spiel kennenzulernen, gleichen die ersten Missionen einem Tutorial mit vereinfachten Herausforderungen. Wie gut das funktioniert, habe ich erst kürzlich wieder erlebt. Bei einer Veranstaltung in der Stadtbibliothek, in der ich den Teilnehmern das Spiel des Jahres vorgestellt habe. Und da passierte das:
Mein schönstes Erlebnis mit „Bomb Busters“
An einem Tisch saßen bereits zwei ältere Damen, als ich ankam. Wie sich bald herausstellte, hatten sie sich im Datum geirrt. Eigentlich hatten sie einen Abend mit den Meller Landfrauen verbringen wollen, doch der Termin sollte erst eine Woche später stattfinden. Nun, sie ließen sich nicht abschrecken, hörten sich an, was ich zum Verein Spiel des Jahres und zur Geschichte des Preises zu erzählen hatten. Und sie blieben auch dann noch sitzen – um ihre erste Partie „Bomb Busters“ anzugehen. Zunächst nur mit Zahlen von eins bis sechs, später dann mit allen Plättchen. Es wurden mindestens fünf Partien. „Boah, nun raucht mir ganz schön der Kopf“, sagte die eine. Und die andere strahlte: „Das hat Spaß gemacht!“
Und mit dieser schönen Anekdote schließe ich dann auch den Text über ein wirklich herausragendes Spiel!
Bomb Busters | Pegasus Spiele | Hisashi Hayashi | 2 bis 5 Spieler | ab 10 Jahren | 20 bis 40 Minuten | Spielanleitung | Meine Bewertung: ★★★★★ (herausragend)











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