Drei Fragen, drei Antworten – das Spiel Got Five! (Blue Orange) von Yoann Levet in der Kurzkritik:
Wie gewinne ich bei Got Five!?
Ich möchte als Erster erraten, welche fünf Zahlen von 1 bis 60 auf meinen Spielsteinen stehen. Weil mir die Rückseiten zugewandt sind, muss das mittels Deduktion glücken. Ich sehe die Steine aller anderen sowie eine offene Auslage und kann deshalb diese Zahlen ausschließen. Zudem hat anfangs jemand meine Steine der Zahlengröße nach sortiert, sodass ich zusätzliche Informationen erhalte. Hierbei hilft, dass jeweils zwölf Zahlen einer von fünf Farben zugeordnet sind.

Ferner wird mit jedem Zug ein neues Plättchen aus der verdeckten Auslage umgedreht. Meine wachsenden Erkenntnisse halte ich hinter einem Sichtschirm auf meinem Tableau fest. Bin ich dran, darf ich eine von zwei möglichen Aktionen wählen, um mich der Lösung zu nähern. Meine ich sie zu kennen, rufe ich zu einem beliebigen Zeitpunkt „Fünf und fertig“.
Wie gehe ich vor bei Got Five!?
Zentrale Frage ist: Was kann ich mit den offenen Zahlen in der Mitte anfangen? Zu Beginn einer Partie ergibt es nur Sinn, einen Stein einsortieren zu lassen. Einer der Mitspieler legt ihn dort zwischen meine Zahlen, wo er größenmäßig hingehört. Wenn möglich, suche ich eine Zahl nahe der 30 aus. Denn damit lassen sich für jede Farbe schon einmal rund 50 Prozent der möglichen Lösungszahlen ausschließen. Im Folgenden grenze ich so weiter ein.

Irgendwann lohnt es jedoch, die zweite Aktion zu wählen, mit der ich herausfinden kann, ob ein bestimmter Stein in meiner Reihe mit einem, zwei oder drei Punkten gekennzeichnet ist. Dazu wähle ich aus der offenen Auslage einen Stein als Vergleich. Wenn möglich, verwende ich dafür aus der Mitte eine Zahl, die anderen sonst in ihrem Zug eine große Hilfe sein könnte.
Wie gefällt mir Got Five!?
Got Five! wagt einen Spagat. Einerseits verlangt es ein logisches Vorgehen, um die Lösung zu erhalten. Wer analytisch denkt, findet schnell die grundlegenden Muster, um Zahlen auszuschließen. Andererseits hat Autor Yoann Levet ein Glückselement integriert: Die Zahl auf dem Plättchen, das ich in meinem Zug umdrehe, kann mir helfen oder nicht. Vielleicht profitieren sogar alle anderen, nur ich nicht. Das gleicht Schwächen in der Buchführung aus und es erhöht die Chancengleichheit.

Das kann ich akzeptieren, weil Got Five! vermutlich dafür gedacht ist, an Deduktion heranzuführen. In diesem Sinne erhalte ich ein gutes Gesamtpaket – für eine überschaubare Anzahl an Partien. Letztlich geht Got Five! jedoch zu viele Kompromisse ein. Der Glücksfaktor mindert den Wert der eigentlichen Aufgabe. Erschwerend kommt hinzu, dass der Startspieler im Vorteil ist, weil dieser immer als Erster eine zusätzliche persönliche Information erhält.
Got Five! | Blue Orange | Yoann Levet | 2 bis 4 Personen | ab 8 Jahren | 15 Minuten | Meine Bewertung: ★★ (ordentlich)











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