Ein U-Bahnnetz zu planen, konnten wir in der Vergangenheit schon mehrfach üben. Beispielsweise mit den Titeln der Next-Station-Reihe oder bei dem noch besseren Voll verplant. Während bei den hier genannten Spielen Karten die Aktionen bestimmen, ziehen wir beim neuen Metro Bingo Tickets genannte Zahlenplättchen aus einem Beutel. Das ist quasi die Bingo-Anleihe. Doch diese Zahlen kreuzen wir nicht ab, sondern tragen sie in die Felder ein, aus denen hier eine Bahnstrecke besteht. Daraus ergibt sich ein äußerst zugängliches Einsteigerspiel, das einen Spannungsmoment an den nächsten reiht.

Wie bei Bingo fiebere ich jeder neu gezogenen Zahl entgegen. Habe ich noch ein Feld an der passenden Stelle frei? Aufgabe für jeden Einzelnen ist es nämlich, möglichst lange Abschnitte mit gleichbleibenden oder aufsteigenden Werten zu bilden. Der London-Plan beispielsweise besteht aus einer einzigen Strecke mit 20 Feldern zum Eintragen. Im Beutel sind zu Beginn einer Partie Zahlenplättchen mit den Werten von 1 bis 30, wobei alle Werte von 11 bis 19 doppelt vorhanden sind. Wo trage ich nun beispielsweise die 29 ein? Ganz hinten? Oder an vorletzter Stelle, weil ja die 30 noch kommen könnte? Klar ist nur: Ich muss den Wert jedes Tickets eintragen.
Was im Laufe einer Partie Metro Bingo zunimmt
Zu Beginn einer Partie schauen noch alle entspannt auf die Aufgabe. Gefühl, Intuition und die Hoffnung, dass die Zahlen einigermaßen gleichverteilt aus dem Beutel gezogen werden, leiten mich dabei, plausible Positionen für die einzelnen Werte zu finden. Doch je weniger freie Felder bleiben, je mehr ich auf bestimmte Zahlen angewiesen bin, um möglichst lange Strecken zu erreichen, desto mehr Kommentare kommen aus der Runde. „Jetzt eine 14!“ – „Nein, ich brauche eine hohe Zahl!“ – „Auf gar keinen Fall. Gerne was Kleines!“

Und folglich schwanken die Emotionen bei Metro Bingo zwischen Freude und Enttäuschung. Wobei das immer nur Mini-Ausbrüche sind. Um nachhaltig zu jubeln oder zu hadern, bleibt gar keine Zeit. Schon muss die nächste Zahl eingetragen werden. Solange bis schließlich alle Felder gefüllt sind. Nun schaue ich nach, zwischen welchen Zahlen die Vorgabe abreißt und unterteile damit die Gesamtstrecke in Teilstrecken, die jeweils gültige Folgen sind. Dann wird jede Teilstrecke gewertet.
Gibt es eine Taktik bei Metro Bingo?
Ein mögliches Ergebnis: Teilstrecken mit vier, zehn, fünf Zahlen sowie ein isolierter Wert. Das bringt 15 + 100 + 25 + 0 = 140 Punkte. Nicht schlecht, oder? Hmm, wer eine durchgängige Reihe schafft, erhält 400 Punkte. Eine Person, der keine besonders lange Teilstrecke gelingt, hat folglich wenig Chancen auf den Sieg. Wie gehe ich also taktisch vor? Setze ich darauf, die komplette Strecke passend zu gestalten? Oder plane ich von Beginn an ein, dass das sowieso nicht klappen wird? Wie auch immer: In diesem Spiel mit Wahrscheinlichkeiten obsiegt zumeist – wie beim Bingo – der Zufall. Wobei sich hier immer wieder das Gefühl einstellt, diesen in der nächsten Partie bestimmt austricksen zu können.

Mir gefällt Metro Bingo jedenfalls gut. Mit diesem Titel hole ich sowohl Menschen ab, die eher wenig spielen, als auch Personen, die zwischendurch mal eine schnelle Nummer ausprobieren möchten. Die Einstiegshürde ist ebenerdig. Zudem skaliert es sehr gut: Die Zahl der Mitspieler hängt nur von den verfügbaren Zetteln ab. Und wenn einer fehlen sollte, male ich halt 20 Kreise auf ein leeres Blatt. Doch der London-Plan ist ja nur eine Option. Im Grundspiel sind noch die Metropläne Seoul, Tokyo und Paris enthalten, bei denen entweder mehrere Strecken kreuzen oder die mit einem Kreisverkehr aufwarten. Drei Spezialtickets mit Sonderaktionen, die ebenfalls im Beutel liegen, runden das Spiel ab.
Metro Bingo | Game Factory, Happy Baobab | Yoshihisa Itsubaki | 1 bis 50 Personen | ab 8 Jahren | 10 Minuten | Spielanleitung | Meine Einschätzung: ★★★ (gut)











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